Honigbienen können erstaunlich gut mit tiefen Temperaturen umgehen, solange das Volk stark ist und der Bienenstock sinnvoll geschützt wird. Entscheidend ist, dass die Wintertraube stabil bleibt, Futter erreichbar ist und Feuchtigkeit keine Chance hat.
Wer Beuten wetterfest aufstellt, richtig isoliert, gegen Zugluft abdichtet und das Futter klug platziert, sorgt dafür, dass Bienenvölker auch lange Kältephasen gut überstehen.
Wie Bienen im Winter tatsächlich Wärme erzeugen
Damit Massnahmen zum Schutz vor Kälte sinnvoll gewählt werden können, hilft ein Blick in den Stock: Bienen sitzen im Winter nicht einfach passiv da. Sie bilden eine Wintertraube, bei der die Aussenseite dicht von Bienen besetzt ist, während im Inneren ein kleiner, wärmerer Kern entsteht. Dort halten Arbeiterinnen durch Muskelzittern eine Temperatur von etwa 20 bis 25 Grad, bei Brut sogar noch höher.
Dieser „Heizbetrieb“ benötigt Energie in Form von Futter. Die Bienen fressen Honig oder Futterteig, wandeln die Energie in Wärme um und bewegen sich langsam durch die Waben nach oben. Der kritische Punkt ist deshalb selten die Lufttemperatur draussen, sondern ob das Volk stark genug ist, ob es trocken bleibt und ob es ausreichend Futterreserven direkt über der Wintertraube findet.
Für die Praxis heisst das: Imkerinnen und Imker unterstützen ihre Völker am besten, indem sie Wärmeverluste durch Wind und Feuchtigkeit minimieren, das Futter im Winterbereich platzieren und Störungen vermeiden. Eine übertriebene, vollflächige Isolierung ohne Belüftung ist hingegen riskant, weil sie Kondenswasser im Stock fördern kann.
Standortwahl: Wo der Bienenstock im Winter wirklich gut steht
Der Standort entscheidet stark darüber, wie viel Kälte der Bienenstock abbekommt. Ein gut gewählter Platz reduziert Wind, Feuchte und extreme Temperaturschwankungen schon von allein. So entfallen viele Notmassnahmen.
Ein wintertauglicher Platz zeichnet sich durch Schutz vor direktem Wind, möglichst viel Morgensonne und trockenen Untergrund aus. Gleichzeitig sollte der Standort nicht so sonnig sein, dass an warmen Wintertagen zu viele Bienen ausfliegen und dann in der Kälte verenden.
- Süd- bis Südost-Ausrichtung begünstigt frühe Sonne, ohne die Beute über Mittag übermässig aufzuwärmen.
- Ein Windschutz durch Hecken, Mauern oder Gebäude ist ideal, solange der Stock nicht in einem Kaltluftsee steht.
- Der Boden sollte erhöht oder gut drainiert sein, damit keine Staunässe entsteht.
Wer die Beuten bereits im Sommer so stellt, dass sie vor kalten Winden geschützt sind, erspart sich später aufwendige Umstellungen. Ein häufiger Fehler besteht darin, Völker im Herbst nochmals zu versetzen, was zu Orientierungsproblemen und Verlusten führen kann.
Windschutz: Zugluft stoppen, ohne die Beute zu „ersticken“
Wind entzieht der Beute sehr viel Wärme und verschärft die Kälteeinwirkung massiv. Eine windige Ecke kann sich für Bienen deutlich härter anfühlen als eine leicht geschützte Lage mit derselben Lufttemperatur.
Um Völker wirkungsvoll vor Wind zu schützen, braucht es keinen hermetisch geschlossenen Raum. Es reicht häufig, die Hauptwindrichtung abzufangen und direkte Zugluft auf Flugloch und Beutenkörper zu verhindern.
- Ein Paravent aus Holz, eine Hecke, Strohballen oder ein einfacher Windschirm aus Brettern kann vor den Bienenständen platziert werden.
- Der Abstand zwischen Windschutz und Beute sollte so gross bemessen sein, dass die Luft noch zirkulieren kann und sich keine Feuchtigkeit staut.
- Direkt vor dem Flugloch darf nichts so nah stehen, dass sich Nässe staut oder der Eingang verschlammt.
In sehr windigen Lagen kann es sich lohnen, mehrere Beuten seitlich aneinander zu stellen, sodass sie sich gegenseitig ein wenig abschirmen. Wichtig ist, dass jede Beute eigenständig gut belüftet bleibt und nicht in einer zugigen Ecke liegt.
Isolierung der Beute: Sinnvoll dämmen statt überheizen
Die richtige Isolierung hilft, Wärmeverluste zu verlangsamen und Feuchtigkeitsprobleme zu verringern. Bienenbeuten aus Holz oder Styropor besitzen bereits einen gewissen Dämmwert. Zusätzliche Massnahmen sollten immer so gewählt werden, dass die Stockluft trocken bleibt.
Gerade bei dünnwandigen Magazinen oder alten Beuten lohnt sich eine zusätzliche Wärmeschicht. Geeignete Materialien sind zum Beispiel Holzwolle, Strohmatten, Schafwolle oder spezielle Dämmkissen. Wichtig ist, dass diese Stoffe Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können.
Typischer Ablauf, um eine Beute besser zu isolieren:
- Deckel öffnen und prüfen, ob über den Rähmchen bereits eine Innendecke oder Folie liegt.
- Auf diese Innenschicht ein atmungsaktives Dämmmaterial auflegen, das nicht direkt in den Brutraum hängen kann.
- Darüber eine zusätzliche Platte oder den Aussendeckel setzen, damit das Dämmmaterial trocken bleibt.
- Ritzen im Deckelbereich von aussen mit witterungsbeständigen Materialien abdichten, ohne Lüftungsöffnungen zu verschliessen.
Wer mit Folie arbeitet, sollte dafür sorgen, dass am Rand kleine Spalten für den Feuchtigkeitsaustausch vorhanden bleiben. Eine komplett hermetische Abdeckung kann dazu führen, dass Kondenswasser an den Wänden herunterläuft und die Rähmchen durchnässt.
Bodenschutz und Isolation von unten
Über den Boden geht viel Wärme verloren, besonders bei offenen Gitterböden. Gleichzeitig sind offene Böden im Winter aus hygienischer Sicht und hinsichtlich der Feuchte oft vorteilhaft.
Eine verbreitete Vorgehensweise besteht darin, den Gitterboden im Winter teilweise zu schliessen oder mit einer Windel zu bestücken, ohne ihn vollständig luftdicht zu machen. Dadurch bleibt ein Mindestluftaustausch erhalten, während der direkte Wärmeeintrag durch Kaltluft reduziert wird.
- Bei stark zugigen Ständen kann die Bodenschublade vollständig eingeschoben, aber leicht nach hinten oder zur Seite hin belüftet werden.
- Wer die Windel nutzt, sollte sie regelmässig kontrollieren, um Varroafall und Feuchteentwicklung im Blick zu behalten.
- Holzpaletten oder stabile Böcke verhindern, dass die Beute direkt auf kaltem, feuchtem Boden steht.
In Regionen mit sehr schneereichen Wintern ist ausserdem wichtig, dass der Fluglochbereich nicht zuschneit. Eine höhere Aufstellung und ein leicht geneigter Untergrund unterstützen den Ablauf von Schmelzwasser.
Flugloch anpassen: Schutz vor Kälte, Mäusen und Räubern
Das Flugloch ist eine der Hauptstellen, an denen kalte Luft in den Bienenstock gelangt. Eine geschickte Verkleinerung senkt den Wärmeverlust und erleichtert den Bienen die Verteidigung.
Fluglochkeile oder verkleinerte Öffnungen helfen, Kälte, Räuber und Mäuse fernzuhalten. Dennoch muss eine gewisse Luftzufuhr gewährleistet bleiben, damit die Stockluft nicht zu feucht wird.
- Im Spätherbst wird das Flugloch meist so weit verengt, dass gerade noch mehrere Bienen nebeneinander ein- und ausfliegen können.
- Ein Mäusegitter mit passender Maschenweite verhindert, dass sich Nagetiere im warmen Stock einnisten.
- Bei sehr kleinen Völkern oder Ablegern kann eine sehr enge Öffnung helfen, die Wache zu erleichtern und Wärmeverluste zu verringern.
Wer viele Spechte oder Meisen am Stand hat, sollte zudem auf Anflugbretter und exponierte Flächen achten. Manche Imker nutzen ein loses Drahtgitter einige Zentimeter vor dem Flugloch, um Spechtschäden zu verhindern.
Feuchtigkeit im Bienenstock kontrollieren
Nässe ist für Bienen im Winter oft gefährlicher als Kälte selbst. Warme Stockluft enthält Feuchtigkeit aus der Bienenatmung und der Futterverarbeitung; trifft sie auf kalte Oberflächen, kondensiert sie dort.
Müssen die Bienen in einem tropfnassen, kalten Stock sitzen, kühlt die Wintertraube schneller aus und es steigt das Risiko für Krankheiten. Entscheidend ist deshalb, dass warme Luft nach oben abziehen und überschüssige Feuchte entweichen kann, während Zugluft vermieden wird.
- Atmungsaktive Innendeckel aus Holz oder Holzfasern nehmen Feuchte auf und geben sie später wieder ab.
- Eine kleine Lüftungsöffnung oberhalb des Brutraums kann helfen, solange sie windgeschützt ist.
- Dämmmaterialien wie Holzwolle oder Stroh im Deckelbereich wirken als Feuchtigkeitspuffer.
Ein einfacher Test besteht darin, an frostigen Tagen den Deckel vorsichtig anzuheben und auf Kondenswasser oder Reif zu achten. Ein wenig Feuchte ist normal, Tropfwasser über den Waben deutet allerdings auf eine schlechte Luftführung hin.
Futterversorgung: Energie als Wärmespender sichern
Ohne ausreichende Vorräte kann das Bienenvolk keine Wärme erzeugen. Die Einwinterung mit passenden Futtervorräten ist daher eine der wichtigsten „Schutzmassnahmen“ gegen Kälte.
Entscheidend ist nicht nur die Menge des Futters, sondern auch die Platzierung. Das Futter muss über und neben der Wintertraube sitzen, sodass die Bienen im Lauf des Winters nach oben wandern können, ohne ins Leere zu geraten.
Ein bewährtes Vorgehen sieht so aus:
- Bereits im Spätsommer und Frühherbst ausreichend auffüttern, damit das Volk nicht in letzter Minute vor dem Winter gestört werden muss.
- Bei der letzten Durchsicht sicherstellen, dass die Futterwaben kompakt in der Nähe des Brutbereichs sitzen.
- Leere oder nahezu leere Randwaben entnehmen und durch vollere Futterwaben ersetzen, falls vorhanden.
- Im Winter nur in kurzen, milden Phasen von aussen kontrollieren, ob das Gewicht noch ausreichend erscheint.
Wer feststellt, dass ein Volk im Winter mangelhafte Vorräte hat, kann in einer wärmeren Periode Futterteig auf die Rähmchen legen. Flüssigfutter im tiefen Winter ist problematisch, weil die Bienen Wasser brauchen, um es zu verarbeiten, und dabei auskühlen können.
Kleine und schwache Völker gesondert schützen
Starke Völker mit grosser Wintertraube kommen mit Kälte deutlich besser zurecht als kleine Einheiten. Ableger oder Jungvölker brauchen daher besondere Aufmerksamkeit.
Ein kleineres Volk besetzt weniger Wabengassen und verliert schneller Wärme. Solche Völker sollten in besonders windgeschützten, gut gedämmten Beuten stehen und im Zweifel enger gesetzt werden, damit die Wintertraube nahtlos Kontakt zum Futter hat.
- Bruträume verkleinern, indem leere Waben entfernt und Schiede näher an die Bienentraube gesetzt werden.
- Kleine Völker eher in der Beutenmitte platzieren, nicht ganz am Rand eines Ständers.
- Pairsysteme nutzen, bei denen zwei kleine Völker in einer Beute mit Trennwand leben und sich gegenseitig etwas wärmen, ohne sich zu mischen.
Es lohnt sich auch, schwache Völker bereits im Spätsommer zu bewerten und zu entscheiden, ob sie vereinigt werden sollten. Ein mittelstarkes, vereinigtes Volk hat im Winter meist bessere Überlebenschancen als mehrere kleine Einheiten.
Späte Eingriffe sorgfältig planen
Eingriffe in den Bienenstock bedeuten im Winter fast immer einen Wärmeverlust und eine Störung der Traube. Trotzdem kann es Situationen geben, in denen ein kurzer Blick nötig ist, etwa um Futtermangel zu erkennen.
Solche Kontrollen sollten auf milde Tage mit mehreren Grad über Null gelegt werden. Ziel ist, den Deckel nur für möglichst kurze Zeit anzuheben und alle Handgriffe vorbereitet zu haben.
Eine sinnvolle Reihenfolge könnte so aussehen:
- Benötigtes Material (Futterteig, Dämmkissen, Werkzeug) vorher bereitlegen.
- Beute vorsichtig öffnen und nur so weit wie nötig anheben.
- Mit Hand oder Blick prüfen, wo die Wintertraube sitzt und ob Futter über ihr vorhanden ist.
- Falls nötig, Futterteig platzieren oder eine Futterwabe verschieben, ohne die Traube zu stark zu stören.
- Deckel sofort wieder schliessen und Beute aussen kontrollieren (Flugloch, Ritzen, Schäden).
Wer bemerkt, dass ein Volk trotz aller Massnahmen sehr unruhig ist oder ungewöhnliche Geräusche von sich gibt, sollte später bei besserem Wetter genauer prüfen, ob Krankheit oder massiver Futterengpass vorliegen.
Typische Fehler beim Schutz vor Kälte
Viele Probleme im Winter entstehen nicht durch zu tiefe Temperaturen, sondern durch gut gemeinte, aber unpassende Massnahmen. Ein bewusster Blick auf häufige Fehlentscheidungen hilft, eigene Völker besser zu führen.
Eine verbreitete Fehlannahme lautet, dass die Beute innen möglichst warm gehalten werden müsse, ähnlich einem Wohnhaus. Zu dichte Isolierung und fehlende Belüftung führen dann zu hoher Luftfeuchte, Schimmel an den Waben und einer geschwächten Wintertraube.
- Vollständig verschlossene Fluglöcher ohne jede Lüftungsöffnung können zu erstickungsähnlichen Situationen führen, besonders bei grösseren Völkern.
- Dicke Kunststofffolien ohne Randspalte behindern den Feuchtigkeitsaustausch und fördern Kondenswasser.
- Lange Deckelöffnungen bei sehr tiefer Temperatur kühlen die Traube schnell aus, was zu hoher Bienenmortalität führen kann.
Auch häufiges Umstellen der Beuten im Spätherbst oder Winter bringt Risiken mit sich. Die Bienen orientieren sich an ihrem Standort; eine Verlagerung um wenige Meter kann bereits zu Rückflieger-Verlusten führen, wenn sie bei nächster Gelegenheit ausfliegen.
Völker in alpinen und besonders kalten Regionen
In Berglagen oder Kältelöchern ist die Winterbelastung deutlich höher als im Flachland. Dennoch können Bienenvölker auch dort gut überwintern, wenn der Stand sorgfältig ausgewählt wird.
In solchen Regionen lohnt es sich, besonders auf Windschutz, Schneelage und Sonneneinfall zu achten. Der Stand sollte so gewählt sein, dass zwar Schnee liegen kann, Fluglöcher jedoch nicht wochenlang verschüttet werden.
- Beuten auf stabilen Gestellen deutlich über Bodenhöhe aufstellen.
- Eventuelle Schneemauern vor dem Flugloch regelmässig entfernen, ohne die Bienen direkt freizulegen.
- Zusätzliche Dämmung im Deckelbereich einsetzen, aber Fluchtwege für Feuchtigkeit offenlassen.
In Gegenden mit häufigen Föhnlagen sind zudem starke Temperaturschwankungen typisch. Hier ist eine stabile, nicht zu grosse Fluglochöffnung hilfreich, damit die Bienen nicht zu früh zu intensiven Reinigungsflügen verleitet werden.
Kontrolle ohne Störung: Von aussen den Zustand einschätzen
Viele Informationen über den Zustand eines Volkes lassen sich von aussen gewinnen, ohne die Beute zu öffnen. So bleibt die Wintertraube ungestört und die Wärme im Stock.
Beim Vorbeigehen am Stand lohnt sich ein ruhiger Blick auf Flugloch, Beutenwände und Umgebung. Kleine Veränderungen können wertvolle Hinweise liefern.
- Leichter Bienenflug an milden Tagen zeigt, dass Reinigungsflüge stattfinden und das Volk vital ist.
- Tote Bienen vor dem Flugloch in überschaubarer Menge sind normal; grosse Haufen können auf Probleme hindeuten.
- Feuchte Stellen an Aussenwänden oder Deckel können auf Kondensprobleme im Inneren schliessen lassen.
Zusätzlich kann das Anheben der Beute an der Rückseite helfen, das Restgewicht zu beurteilen. Wer über den Winter häufiger kontrolliert, entwickelt ein Gefühl dafür, wann ein Volk kritisch leicht wird.
Ein Erfahrungsfall: Schwaches Volk sicher durch eine Kältewelle bringen
Angenommen, eine Imkerin stellt im Spätherbst fest, dass ein Jungvolk deutlich weniger Waben besetzt als die übrigen Völker am Stand. Es sitzt locker auf vielleicht vier bis fünf Wabengassen und wirkt unruhiger als die Nachbarvölker.
Sie entscheidet, den Brutraum zu verkleinern, entfernt leere Randwaben und setzt ein Schied dichter an die Bienentraube. Danach ordnet sie die Futterwaben so, dass oberhalb und seitlich der Traube reichliche Vorräte vorhanden sind. Ausserdem stellt sie dieses Volk an den windgeschütztesten Platz in der Reihe und legt eine zusätzliche Dämmschicht über den inneren Deckel.
Im Ablauf des Winters kontrolliert sie das Gewicht dieses Volkes etwas häufiger per Anheben von hinten und legt bei Bedarf eine Portion Futterteig auf. Auf unnötige Öffnungen verzichtet sie. Am Ende der Kälteperiode sitzt das Volk eng, aber lebendig auf mehreren Waben und kann im Frühling zügig wachsen.
Materialwahl: Welche Hilfsmittel sich im Alltag bewährt haben
Imkerinnen und Imker nutzen eine breite Palette an Hilfsmitteln, um Völker vor Kälte und Feuchte zu schützen. Viele dieser Materialien sind einfach verfügbar und lassen sich flexibel anpassen.
Als Dämmung haben sich atmungsaktive Stoffe bewährt, die Feuchtigkeit puffern und wieder abgeben. Dazu zählen Holzwolle, Strohkissen, Hanf- oder Schafwollmatten und Holzfaserplatten. Dichte Schaumstoffe eignen sich eher als Aussendämmung, sollten aber nicht direkt mit der Stockluft in Kontakt kommen.
- Für Windschutzwände sind Holzlatten, Paletten oder wetterfeste Stoffbahnen geeignet.
- Mäusegitter werden häufig aus verzinktem Draht mit kleinen Maschen gefertigt.
- Für Abdeckungen kommen je nach System Innendeckel aus Holz, Hartfaserplatten oder Folien mit seitlichen Lüftungsspalt zum Einsatz.
Welche Kombination am besten passt, hängt von Beutentyp, Standort und persönlicher Arbeitsweise ab. Wichtig ist, alle Massnahmen so zu wählen, dass Inspektionen und Eingriffe im Notfall weiterhin möglich bleiben.
Schrittweises Vorgehen vor dem ersten Winter
Wer frisch mit der Imkerei beginnt, steht oft vor der Frage, in welcher Reihenfolge die Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit erfolgen sollte. Ein klares Vorgehen hilft, nichts Wichtiges zu vergessen.
Ein möglicher Ablauf sieht so aus:
- Im Spätsommer Varroabehandlung durchführen, um das Volk gesund in den Herbst zu führen.
- Völker dabei beobachten und schwache Einheiten markieren, die eventuell verstärkt oder vereinigt werden sollten.
- Rechtzeitig auffüttern und Futterwaben so platzieren, dass sie kompakt am Brutbereich liegen.
- Fluglöcher im Spätherbst verengen und Mäusegitter anbringen.
- Über den Winter Dämmung im Deckelbereich einlegen, ohne die Lüftung komplett abzuriegeln.
- Stand regelmässig von aussen kontrollieren, Gewicht und Feuchteentwicklung im Blick behalten.
Mit etwas Erfahrung lassen sich aus diesen Grundschritten feinere Anpassungen für unterschiedliche Standorte und Beutensysteme ableiten.
Häufige Fragen zum Schutz der Bienenvölker vor Kälte
Ab welcher Temperatur wird es für Bienenvölker kritisch kalt?
Bienen bilden bereits ab etwa 12 Grad eine Wintertraube, um Wärme zu halten, und können darin auch tiefe Minustemperaturen überstehen. Kritisch wird es, wenn die Temperatur über längere Zeit sehr tief bleibt, das Volk geschwächt ist oder Futter und Isolation nicht ausreichen.
Soll man die Beuten im Winter zusätzlich einpacken?
Eine massvolle Isolation mit gut geeigneten Materialien ist sinnvoll, solange die Beute weiterhin atmen kann und Feuchtigkeit entweichen kann. Vollständiges Einpacken in dichte Folien oder luftundurchlässige Hüllen sollte vermieden werden, weil sich sonst Kondenswasser staut und Schimmel entstehen kann.
Wie oft darf ich im Winter den Deckel öffnen?
Das Öffnen der Beute im Winter sollte auf ein absolutes Minimum beschränkt werden, damit sich die Wintertraube nicht ständig neu aufbauen muss. Notwendige Kontrollen lassen sich in der Regel von aussen erledigen, etwa durch Wiegen, Hörprobe oder Blick auf das Flugloch.
Ist eine Fütterung während einer Kältewelle sinnvoll?
Während einer ausgeprägten Kältephase können Bienen flüssiges Futter meist nicht mehr gut aufnehmen, weshalb die Hauptauffütterung im Spätsommer abgeschlossen sein sollte. In Ausnahmesituationen lässt sich mit Futterteig oder Futterteigpattys von oben überbrückt werden, sofern der Bienenabstand eingehalten bleibt.
Brauchen Bienen im Winter zusätzlich Wasser?
Im Winter decken Bienen ihren Wasserbedarf hauptsächlich über den Stoffwechsel und Kondenswasser im Stock. Offene Wasserquellen draussen werden in dieser Zeit kaum genutzt, weshalb der Fokus auf einem trockenen, aber nicht vollständig dichten Innenklima liegen sollte.
Wie erkenne ich, ob mein Volk trotz Kälteschutz verhungert?
Ein starkes Anzeichen ist übermässiger Totenfall vor der Beute, kombiniert mit leichter werdender Beute beim Anheben oder Wiegen. Spätestens bei einem Verdacht auf Futtermangel sollte von oben nach Möglichkeit Futterteig aufgelegt werden, ohne dabei lange im Stock zu arbeiten.
Sind Styroporbeuten im Winter besser als Holzbeuten?
Beide Systeme können in der Schweiz gut funktionieren, wenn sie richtig geführt und dem Klima angepasst werden. Entscheidend sind eine sinnvolle Isolation, eine trockene Umgebung und ein gutes Management, nicht allein das Baumaterial der Beute.
Muss ich in sehr kalten Nächten zusätzlich einheizen?
Ein künstliches Aufheizen des Bienenstocks ist in der Imkerei normalerweise nicht nötig und kann eher schaden, weil es die Winterruhe stört und die Futteraufnahme erhöht. Viel wirksamer sind ein windgeschützter Standort, angemessene Futterreserven und ein angepasstes Beutenvolumen.
Wie gehe ich mit Spätwinter-Kältephasen um, wenn bereits Brut vorhanden ist?
In dieser Phase ist ein stabiler Wärmehaushalt besonders wichtig, weshalb Eingriffe auf das absolut Nötige reduziert werden sollten. Ein guter Windschutz, eine geschützte Beutenlage und gegebenenfalls ein leicht reduzierter Raum helfen, die Brut nicht auskühlen zu lassen.
Soll ich den Schneeräumdienst bis direkt vor die Beuten lassen?
Starker Lärm und Erschütterungen direkt vor den Beuten können die Völker unnötig aufscheuchen, besonders bei frostigen Temperaturen. Ein kleiner Sicherheitsabstand beim Schneeräumen, sowie das Freihalten des Fluglochs, sorgen für Ruhe im Volk und verhindern, dass das Ein- und Ausfliegen blockiert wird.
Wie lange kann ein Volk im geschlossenen Winterstand ausharren?
Gesunde Völker mit ausreichend Futter können in der Wintertraube mehrere Monate ohne Reinigungsflug verbringen, wenn es die Witterung erfordert. Sobald die Temperaturen es zulassen, sollten kurzzeitige Flugmöglichkeiten gegeben sein, damit die Bienen ihre Kotblase entleeren können.
Kann ich schwache Einheiten im Winter noch mit anderen Völkern vereinen?
Ein Vereinigen ist idealerweise vor Beginn der eigentlichen Winterruhe einzuplanen, damit sich die Völker aneinander gewöhnen können. Späte Notvereinigungen sind riskant und sollten nur erfolgen, wenn klar ist, dass ein Volk ohne diesen Schritt kaum Überlebenschancen hat.
Fazit
Ein durchdachter Schutz der Bienenvölker vor Kälte beruht auf mehreren ineinandergreifenden Massnahmen, von der Standortwahl über Isolation und Feuchtigkeitskontrolle bis zur Futterplanung. Wer Eingriffe rechtzeitig plant und die Völker im Winter möglichst wenig stört, gibt ihnen die besten Chancen, stabil durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Mit etwas Erfahrung lassen sich so auch in raueren Schweizer Regionen gesunde und vitale Bienenvölker erhalten.