Bei einem Bienenvolk im Rollladenkasten ist eine Imkerin, ein Imker oder ein regionaler Schwarmfangdienst meist die passende erste Fachstelle. Betätige den Rollladen nicht mehr, halte Abstand und verschliesse das Einflugloch nicht. Bei einer Mietwohnung solltest du zusätzlich Vermieterschaft oder Verwaltung informieren, weil für eine dauerhafte Entfernung oft der Kasten geöffnet werden muss.
Zuerst klären: Bienenschwarm oder bereits bewohnter Kasten?
Eine grössere Bienentraube, die frei an der Fassade, am Fensterrahmen oder unter einem Vorsprung hängt, kann ein frisch eingetroffener Schwarm sein. Solche Schwärme ruhen teilweise nur vorübergehend, während Spurbienen nach einem geeigneten Hohlraum suchen. Sie lassen sich für Imkerinnen und Imker häufig leichter bergen, solange sie noch frei zugänglich sind.
Fliegen Bienen dagegen über längere Zeit gezielt durch dieselbe Fuge in den Rollladenkasten ein und aus, haben sie den Hohlraum möglicherweise bereits bezogen. Pollen an den Hinterbeinen, ein gleichmässiger Flugbetrieb und Wachsreste können diese Einschätzung stützen. Eine sichere Bestimmung aus der Distanz ist dennoch sinnvoll, denn Wespen, Hornissen und verschiedene Wildbienen benötigen je nach Art ein anderes Vorgehen.
Beobachte das Einflugloch nur von einem geschützten Standort aus. Ein kurzes Foto oder Video mit Abstand hilft der Fachperson bei der ersten Einschätzung. Nahaufnahmen, Klopfen am Kasten und das Öffnen der Abdeckung sind dafür nicht nötig.
Diese Stellen kommen in der Schweiz infrage
Regionale Imkerinnen, Imker und Schwarmfangdienste
Bei Honigbienen ist ein lokaler Imkerverein oder ein regional organisierter Schwarmfangdienst die naheliegendste Anlaufstelle. Über den kantonalen Imkerverband oder den Dachverband BienenSchweiz lässt sich ein Verein in der Umgebung finden. Teile bei der Anfrage mit, ob die Tiere frei als Traube hängen oder bereits durch eine Öffnung in den Kasten fliegen.
Nicht jede Imkerin und jeder Imker kann ein Volk aus einem verbauten Hohlraum entnehmen. Sobald Waben im Rollladenkasten vermutet werden, braucht es möglicherweise jemanden mit Erfahrung in der Umsiedlung aus Gebäuden. Frage ausdrücklich, ob die Fachperson nur frei sitzende Schwärme einfängt oder auch besiedelte Hohlräume beurteilt.
Vermieterschaft oder Verwaltung
In einer Mietwohnung sollte die Verwaltung oder Vermieterschaft früh informiert werden. Der Rollladenkasten gehört in der Regel zum Gebäude, und eigenmächtiges Öffnen kann Bauteile beschädigen. Die zuständige Person kann den Zugang organisieren, einen Storenfachbetrieb beiziehen und klären, wer einen Auftrag erteilen darf.
Halte Ort, Zeitpunkt der ersten Beobachtung und sichtbare Einflugstelle fest. Vereinbare die Kostenübernahme, bevor du selbst eine kostenpflichtige Entfernung bestellst. Wer im Einzelfall zahlen muss, hängt unter anderem von Mietvertrag, Ursache, Dringlichkeit und erforderlichen Arbeiten am Gebäude ab.
Storen- oder Gebäudefachbetrieb
Ein Fachbetrieb für Rollläden beziehungsweise Storen entfernt die Tiere nicht zwingend selbst. Er kann aber den Kasten kontrolliert zugänglich machen und nach der Umsiedlung beschädigte Teile, Spalten oder den Rollladenlauf instand setzen. Diese Zusammenarbeit ist besonders wichtig, wenn sich Waben nahe an der Welle befinden oder der Behang blockiert ist.
Das Einflugloch darf erst verschlossen werden, wenn die betreuende Fachperson bestätigt hat, dass keine Bienen und keine Brut mehr im Hohlraum zurückgeblieben sind. Sonst werden Tiere eingeschlossen oder suchen sich einen Weg in den Wohnraum.
Fachkundige Schädlingsbekämpfung
Eine seriöse Schädlingsbekämpfungsfirma kommt infrage, wenn die Art unklar ist, der Zugang schwierig bleibt oder sich herausstellt, dass es keine Honigbienen sind. Nenne am Telefon ausdrücklich den Verdacht auf Bienen und frage nach Erfahrung mit Artbestimmung und Umsiedlung. Eine Firma, die ohne Bestimmung sofort eine chemische Behandlung vorschlägt, ist bei dieser Ausgangslage nicht die erste Wahl.
Bei Wildbienen oder Hornissen können zusätzliche Schutzvorgaben und artspezifische Lösungen eine Rolle spielen. Die zuständige kantonale Natur- oder Umweltfachstelle kann Auskunft geben, falls die Artbestimmung oder das zulässige Vorgehen unklar bleibt.
Feuerwehr nur bei unmittelbarer Gefahr
Die Feuerwehr ist kein allgemeiner kostenloser Bienendienst. Ein Einsatz kann gerechtfertigt sein, wenn eine unmittelbare Gefahr besteht und eine reguläre Fachperson nicht rechtzeitig helfen kann, etwa bei bedrohten Personen in einem schwer zugänglichen Bereich. Zuständigkeit und mögliche Kosten unterscheiden sich lokal. Für einen ruhig beflogenen Rollladenkasten ohne akute Gefährdung ist zuerst der regionale Imker- oder Schwarmfangdienst sinnvoll.
Die passende Kontaktreihenfolge
- Frei hängende Bienentraube: Rollladen stilllegen, Abstand halten und einen regionalen Schwarmfangdienst oder Imkerverein anfragen.
- Regelmässiger Einflug in den Kasten: Vermieterschaft beziehungsweise Eigentümerschaft informieren und eine Fachperson mit Erfahrung bei Bienenvölkern in Gebäuden suchen.
- Art nicht eindeutig: Fotos aus sicherer Entfernung übermitteln und eine Bestimmung durch Imkerei, Schädlingsfachbetrieb oder kantonale Naturfachstelle verlangen.
- Kasten muss geöffnet werden: Entfernung und baulichen Zugang zwischen Bienenfachperson und Storenfachbetrieb abstimmen.
- Akute Gefahr: Bereich verlassen und die örtliche Notfallstelle kontaktieren. Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder Schwellungen im Mund- und Halsbereich nach einem Stich ist der medizinische Notruf 144 zuständig.
Was du bis zum Termin vermeiden solltest
- Den Rollladen weder hoch- noch herunterfahren, weil bewegliche Teile Bienen verletzen und das Volk aufscheuchen können.
- Keine Insektensprays, Rauchgeräte, Wasserstrahlen oder Hausmittel in die Öffnung geben.
- Fugen nicht mit Schaum, Klebeband oder Dichtmasse verschliessen.
- Den Rollladenkasten nicht selbst öffnen und keine Waben herausziehen.
- Kinder und Haustiere vom Einflugbereich fernhalten und nahe Fenster bei starkem Flugbetrieb geschlossen halten.
Einzelne Bienen im Zimmer können durch ein geöffnetes Fenster meist selbst hinausfinden. Verdunkle den Raum und lasse nur den Ausgang hell. Bei wiederholtem Auftreten im Innenraum sollte die Fachperson wissen, an welcher Stelle die Tiere erscheinen, weil dies auf eine Verbindung zwischen Kasten und Wohnbereich hinweisen kann.
Nach der Umsiedlung bleibt der Hohlraum wichtig
Mit dem Abtransport der Bienen ist die Arbeit nicht in jedem Fall beendet. Zurückgebliebene Waben, Honig und Wachs können andere Insekten anziehen, Gerüche verursachen oder bei Wärme austreten. Ob der Kasten gereinigt werden muss, hängt von Zugänglichkeit, Umfang des Wabenbaus und Material ab. Die Beurteilung sollte gemeinsam mit der Bienenfachperson und dem zuständigen Gebäudefachbetrieb erfolgen.
Erst nach vollständiger Kontrolle werden geeignete Eintrittsstellen geschlossen. Lüftungs- und Entwässerungsöffnungen dürfen dabei nicht unüberlegt blockiert werden. Bei einer Mietliegenschaft koordiniert die Verwaltung sinnvollerweise Entfernung, Reinigung und bauliche Abdichtung, damit der Rollladen danach wieder sicher funktioniert.